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Ein halbes Jahr Vorbereitungstraining auf den K78 beim Swiss Alpine liegt nun hinter mir. Es war eine sehr schöne wenn auch anstrengende Zeit. Zusammen mit Sibille sind wir alle Traumpfade der Region abgelaufen,  auch zwei hintereinander und haben an tollen Laufveranstaltungen teilgenommen um die richtige „Wettkampfhärte“ zu bekommen. Wir haben unsere Ausrüstung perfektioniert und wichtige Fragen, wie „Welcher Schuh mit welchem Profil?“ oder „Trinkrucksack mit 1,5 Liter oder 2 Liter Wasser?“ diskutiert. Vorbei waren die Zeiten, als wir uns einfach die Laufschuhe angezogen haben und losgelaufen sind…

Nachdem wir fast alle langen Läufe und Vorbereitungs-Wettkämpfe bei strömenden Regen absolviert haben und damit gerechnet haben, dass uns Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen, dachten wir, wir sind jeder Situation gewachsen. Bis der Sommer dann doch noch kam… Unsere letzten beiden langen Läufe haben wir bei sommerlichen 26 Grad (gefühlte 30 Grad) gemacht und waren uns dann aber ganz sicher: „Jetzt haut uns nichts mehr um!“.

Ich freue mich riesig auf den Lauf mit 78 km und 2.300 HM. Aber bereits einige Wochen vorher vermischt sich die Vorfreude mit leichtem Bauchweh . Eine Vorstellung von dem was mich erwarten würde, habe ich nicht.

Um unseren Körper an die Höhe zwischen 1.500 und 2.700 m ÜM zu gewöhnen, reisen wir bereits eine Woche vor dem großen Tag in Davos an. Die ungewohnte Höhe und die dünne Luft macht mir etwas zu schaffen. Die erste Runde um den Davoser See (ca. 4,5 km!!!) lässt mich ganz schön ins Schnaufen kommen. Oh mein Gott, wenn das mal gut geht…

Unsere zweite Wanderung führt uns über den hochalpinen Teil der Strecke des K78 und K42. Sky, mein Hund, der mich auf allen langen Trainingsläufen begleitet hat, ist natürlich auch dabei. Er zeigt uns wie es richtig geht. Auf unserer Wanderung (ca. 20 km) läuft er mind. die kompletten 78 km, hinter jedem Steinbock und jeder Berggämse hinterher. Die Murmeltiere, beobachten ihn genau und lachen ihn aus. Außerdem muss er auf unsere kleine Gruppe aufpassen und darauf achten, dass immer alle zusammen blieben, so dass er ständig vor und zurück läuft. Er hat sich überhaupt keinen Kopf gemacht, ist einfach gelaufen, gelaufen, gelaufen… (beneidenswert!!!). So werde ich es auch machen!

Unsere zweite Runde um den Davoser See ist schon etwas besser, wir haben es langsam angehen lassen. Diana läuft zusammen mit Angelika (eine superfitte Sportkanone aus Mainz) ganz locker vorne weg. Ein Vergleich drängte sich mir geradezu auf: Diana läuft wie eine Gämse, ich fühlte mich eher wie das Murmeltier!

Am Mittwoch vor dem Lauf, gibt der Veranstalter ein Seminar zur richtigen Vorbereitung (Training, Ausrüstung und Mentales) auf den K78. Diana und ich müssen natürlich da hin, auch wenn die Vorbereitung eigentlich abgeschlossen ist, wer weiß welche guten Tipps es noch gibt. Der Coach konzentriert sich dann auch wirklich auf den Lauf selber und erzählte viel über die richtige Kleidung, das richtige Essen, wie die Strecke am besten eingeteilt wird etc. Ich weiß nun, dass ich über eine ausreichende Menge Fettreserven verfüge um die Endzeiten voll auskosten zu können. Bei Diana wird es dagegen echt eng, die muss schon schnell rennen, damit die Speicher reichen… Außerdem habe ich gelernt „elastisch“ zu laufen, sprich - das Tempo an die Strecke und das Profil anpassen und die steilen Bergpassagen zu marschieren. Hm, das mache ich sowieso immer so, aber jetzt weiß ich auch wie das heißt.

Die Nervosität steigt. Mein Blick richtet sich immer wieder auf die Wettervorhersage und die prophezeite uns „exorbitante“ Temperaturen. Auf der Messe, will ich meine Kleidung den Temperaturen anpassen und zwänge mich in einen Laufrock. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, wie das ausgesehen hat.

Beim Abholen der Startunterlagen komme ich mir fast ein wenig vor, wie eine Hochstaplerin. Die rote Startnummer will so gar nicht zu mir passen. Ich hoffte, dass wir uns noch anfreunden werden… Ich bin ja „elastisch“!

 Und dann ist es soweit, der Wecker klingelt am Tag der Tage morgens um 4.30 Uhr. Ich habe erstaunlicherweise gut geschlafen und bin guten Mutes. Auf alles vorbereitet geht’s los: Heiße Temperaturen im Tal, kühl und windig auf’m Berg (Jacke und Ärmlinge), Riegel, Gels, Salztabletten, Tempos (fürs Gebüsch), eingeschmiert mit Sonnencreme LSF 50+ (hilft gegen Sonne und lässt das Wasser bei Regen gut abperlen - habe ich im Training ausprobiert). Im Stadion von Davos treffen sich die Teilnehmer des K78, K30 und C42. Die Stimmung vor dem Start ist echt toll. Dann läuft schon der Countdown, dazu wird „Conquest of Paradise“ gespielt - Gänsehautfeeling!!!

Als der Startschuss fällt, läuft  um mich herum alles ganz gemütlich los. Diana sehe ich nicht mehr, die ist irgendwo ganz vorne. Bereits als wir aus dem Station herauslaufen merke ich, dass es nicht ganz rund läuft. Es fühlt sich an, als ob jemand Blei in meine Schuhe gegossen hätte. Naja, denke ich, wird schon werden. Die ersten 10 km gehen in einer Runde durch Davos und über eine Asphaltstraße aus Davos heraus. Die Luft ist noch frisch, aber meine Beine fühlen sich schwer an und ich habe mit einer unterschwelligen Übelkeit zu kämpfen. Endlich geht es in den Wald und die schmalen Naturwege bringen mich auf andere Gedanken. Jetzt geht es auch das erste Mal berghoch. Ich bin natürlich elastisch und fange an zu marschieren. Ich fühle mich besser und bin wieder zuversichtlich. Bei der nächsten Verpflegungsstelle (ca. km 15) nehme ich das ganze Angebot war, ein Becher Wasser, ein Becher Isotee, und 2 Stücke Banane („Wenn’s mal wieder etwas länger dauert…“). Es geht bergab und ich fühle mich gut - für die nächsten 2 km. Dann kommt die Übelkeit zurück und die Beine werden wieder schwer. Bei Kilometer 20 fühle ich mich, als wäre ich bereits eine komplette Marathondistanz gelaufen. Ich versuche „elastisch“ zu sein, was aber äußerst schwierig ist, wenn man Blei in den Schuhen hat. Mir wird klar, so komme ich nie auf die Keschhütte und den Sertigpass, und es wird noch viel heißer werden. So entschließe ich mich schweren Herzens in Filisur mit den K30-Läufern ins Ziel zu laufen (diese Option gibt es für die Läufer des K78 in diesem Jahr zum ersten Mal).

Der Zieleinlauf in Filisur ist total unspektakulär. Ich fühle mich aber auch nicht nach Spektakel. Schnell nehme ich meine (unverdiente) Medaille entgegen und stopfe diese zusammen mit meiner roten Startnummer in meine Tasche. Im Zug zurück nach Davos, sehe ich überwiegend in glückliche Gesichter von glücklichen Finishern des K30. Meine Enttäuschung wird mir erst richtig bewusst. Ich würde mich am liebsten wie das Murmeltier in meiner Höhle verkriechen.

Nach einem ausgiebigen Bad und einer Stunde Schlaf im Hotel, kehren meine Lebensgeister langsam zurück und ich mache mich auf den Weg ins Stadion, um den Zieleinlauf der anderen nicht zu verpassen. Das Thermometer zeigt über 30 Grad an. Die Finisher des K78 sehen völlig fertig aus, aber strahlen über das ganze Gesicht. Wie gern wäre ich unter ihnen gewesen, mir stehen fast die Tränen in den Augen. Aber langsam merke ich, wie ich bereits wieder anfange Pläne zu schmieden. Was für schöne Läufe gibt es in diesem Jahr noch? Wie gehe ich die Vorbereitung für das nächste Jahr an? Denn hierher komme ich auf alle Fälle wieder!

Alle anderen kommen gut ins Ziel. Diana mit einer sensationellen Zeit von 10:21 h. Angelika und Angelo finishen den K42 zusammen und sind überglücklich und Sibille, die routinierte Bergziege, kostet den Lauf komplett aus und kommt lachend ins Ziel. Die Hitze hat allen zu schaffen gemacht, aber sie haben es geschafft! Mein Respekt! Herzlichen Glückwunsch!!!

Mein Fazit:

Es war ein tolles halbes Jahr Training, es hat richtig Spaß gemacht. Es war auch eine tolle Woche in Davos mit super netten Menschen.

Ich kann mich so gut es geht vorbereiten und bin trotzdem nicht auf alles vorbereitet. Die Grenzen, die mir mein Körper setzt, muss ich erkennen und akzeptieren. Denn ich laufe ja aus Spaß! Und das möchte ich noch so lange wie möglich tun.

Ich werde versuchen mein Training zu optimieren und ein paar neue Reize zu setzen. Besonderes Augenmerk werde ich auf die Stärkung der wichtigen Muskulatur richten (Beine, Po, Rumpf) – Mal sehen, ob die mich im Fitness-Studio noch erkennen...

Es ist nicht wichtig wie oft man fällt, sondern nur, dass man wieder aufsteht! Also gebe ich nicht auf, sondern setze mir neue Ziele. Ich freue mich jetzt schon wieder auf viele neue Herausforderungen. Besonders auf den Zugspitz Supertrail im nächsten Jahr und - in Davos habe ich noch eine Rechnung offen!

Also: „Keep on (trail)running!“

Sonja das Murmeltier

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