Urlaubsmodus!

Nach dem Zugspitz-XL war es mein Plan, den Frankfurt-Marathon schnell zu laufen. Das bedeutet, kurze Pause und dann mit den Tempoeinheiten starten. Vollkommene Lustlosigkeit auf Tempoeinheiten und der Spaß an Trails hielten mich davon ab, und so entschied ich mich erst einmal, den Karwendel-Lauf zu absolvieren.

Wir waren seit Montag in Leutasch in der Pension Lehnerhof, tolles Zimmer, gutes Frühstück und super nette Gastgeber. Das Wetter versprach Regen im Überfluss, aber warm sollte es werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Um 4.45 Uhr war für uns Läufer schon der Tisch gedeckt und die Wirtin hatte sogar eine Mitfahrgelegenheit nach Scharnitz (964 m NN, Start) für mich organisiert. So konnte mein Mann weiter schnarchen… :).

   

Das Wetter ist ja gar nicht so schlimm, meinte sie! Das will man so früh nicht hören, zumal meine Augen mir ganz klar Regen aufzeigten! Hoffnung gestorben. Das Brötchen habe ich runtergewürgt und bin um 5.20 Uhr ins Auto gesprungen.

Am Start habe ich dann Jasmin, Bernhardt, Dirk, Carsten, Sebastian und Mario begrüßt. Tasche abgegeben und schnell in Richtung Start gespurtet. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Carsten und Dirk Stöcke eingepackt hatten. In mir brach leichte Panik aus….ich hätte die Dinger einstecken müssen! Die zwei lachten und meinten, ich könnte ja noch ins Stockerl-Geschäft gehen….haha…

Läufer und Wanderer sind getrennt voneinander gestartet. Die Stimmung war trotz des immer stärker werdenden Regen super. Um Punkt 6.00 Uhr wurden wir mit einem Startschuss losgeschickt.

Bernhardt hatte mir am Vortag bei der Henkersmahlzeit gesagt: „ Die ersten 18 km sind ganz leicht zu laufen. Die Höhenmeter spürt man kaum.“ In positiver Erwartung hatte ich schon Pläne geschmiedet, ziemlich flott den ersten Berg zu erstürmen.

   

Meine Regenjacke habe ich schnell ausgezogen, da es mir zu warm war, Shirt und Armlinge waren völlig ausreichend. Der Regen sollte uns bis auf wenige Momente den ganzen Lauf begleiten. War ja warm und hätte schlimmer kommen können…

Bis km 9.58, der ersten Labestation am Schafstallboden (1173 mNN) lief es schon nicht so gut. Mein Plan ging nicht auf und ich merkte schon früh, dass heute nicht mein Tag ist. Bis dahin habe ich mich noch ein wenig mit Jasmin unterhalten und abgelenkt.

Der Streckenverlauf ist schnell beschrieben: Schotterwege, Waldautobahnen, leicht ansteigend, aber zum Schluss ging es doch steiler den Berg hoch. Oder habe nur ich das heute so empfunden? Hier hätte ich schon gerne meine Stöcke benutzt.

Mit weniger Kraft den Berg hoch…ist ja nicht so, dass ich das nicht wüsste. Ich habe innerlich gejammert und war auf mich selbst wütend, dass ich so überheblich war und die guten Ratschläge von Jasmin und Bernhardt missachtet habe. Mit jedem Stockläufer, der an mir vorbeizog, sackte meine Stimmung in den Keller.

Die Wege waren gut zu erkennen. Leider hüllten die Berge sich größtenteils in Nebel. Lustlos machte ich einige Fotos. Kurz vor der zweiten Labestation am Karwendelhaus (1771 mNN, km 18,19) konnte ich meine negativen Gedanken abschütteln. Mich erwartete ein Downhill. Juhu…und das beflügelte mich!

   

Ich hatte beschlossen, auf Urlaubsmodus umzuschalten, viele Fotos zu machen und die Landschaft zu genießen. Obwohl die Labestationen alles boten, was das Läuferherz begehrt, bin ich dort vorbeigerannt und über den zeitweise technisch schweren Downhill nur so geflogen. Der Kopf war wieder frei.

Jetzt konnte ich die Landschaft auch wieder genießen und die vom Nebel umhüllte Landschaft wirkte zeitweise mystisch. Nach dem Downhill ging es zum zweiten Berg hoch, der an der Falkenhütte gipfelte (1848 mNN,km 30,23). Hier hat mich ein starker Schauer erwischt. Ich musste meine Weste auspacken, da zu dem Regen die Kälte hinzukam. Das tat aber der Stimmung der Läufer keinen Abbruch. Das ganze Team auf der Strecke hatte immer ein nettes Lächeln und aufmunternde Worte für uns übrig.

Auf ging es zum nächsten Downhill. Hier wurde es schon sehr matschig, aber noch gut zu bewältigen. Bei km 35 erwartete uns wieder eine Verpflegungsstation, die Eng (1227 mNN). Das Highlight war die super leckere Gemüsesuppe. Schön scharf mit viel Gemüse. Außer Gels und Salzwasser nehme ich in der Regel nur Brühe zu mir.

Voller Vorfreude auf den dritten Downhill bin ich dem letzten Anstieg gut gelaunt entgegen gestürmt. Das mit dem Stürmen war schnell vorbei und bis zur Verpflegungsstation Binsalm (1502 mNN, km 38,37) konnte ich die Gedanken an die fehlenden Stöcke noch verdrängen. Ein netter Mitläufer und gute Gespräche verkürzten den Aufstieg und die Anstrengung.

   

Aber was dann auf den nächsten 2,5 - 3 km bis zu dem letzten und höchsten Punkt folgte, hatte ich nicht erwartet. Eine schmale, mal weniger, mal mehr steile Spitzkehre folgte der anderen… und jetzt ging es wieder los… wo sind meine Stöcke??????

Die inneren Gespräche waren los getreten und mein Optimismus hatte dieses Mal ganz schnell gewonnen. OK, immer schön Schritt für Schritt, nicht nach oben schauen und durchhalten. Ich zog eine Schlange von Läufern hinter mir her, von denen mich keiner überholen wollte. Jeder war mit sich beschäftigt.

Mich hat das ein wenig unter Druck gesetzt und motiviert… durchhalten, nicht stehen bleiben. Von oben sprang plötzlich ein Streckenscout an uns vorbei und meinte: „Es isch nimmer weit, Dirndl.“ Die Frau hinter mir fragte: „ Isch es so?“ Ich glaube den Bergziegen nichts mehr. Habe ich schon so oft gehört. Nur noch eine kleine Bodenwelle… hahahaha… oft kam dann noch ein wunderschöner Berg :). Die Schlange setzte ihren Weg unbeeindruckt, gebückt und Schritt für Schritt den Pfad entlang fort.

Irgendwann war es dann soweit und die nette Crew von der Bergrettung empfing uns herzlich. In mir hat sich alles gelöst und die Freude über das geschaffte und den bevorstehenden Downhill setzte wieder Kräfte frei. Jetzt sind wir gleich im Ziel, äußerte ich unter belustigten Blicken. Für mich ist das so… nur noch bergab.

Und los ging es!

Ab hier war allerdings höchste Konzentration angesagt. Es erwartete uns Matsch, Geröll, ein schöner Wasserfall, und eine Landschaft die sich langsam dem Nebel entschwand. die Stimmung stieg bei den meisten Läufern und hier merkte man, ob die Kräfte richtig eingeteilt waren. Mir ging es gut und ich sprang durch die Landschaft Zwischendurch blieb ich stehen, habe fotografiert und die Natur genossen.

Ich hatte Glück und konnte einen Sturz vermeiden. Aber es rutschten und flogen so einige. An dem Wasserfall angekommen musste ich stehen bleiben. So schön erschien mir die Landschaft trotz Regen und Nebel. Natur ist immer anders aber immer besonders. Das ist ein Grund, warum ich laufe.

   

Je weiter es dem Ziel entgegen ging umso klarer zeichnete sich die Landschaft ab. Das Bild rechts zeigt mein Highlight der letzten Strecke. Auf der Weide wollte ich nicht laufen. Dort hatte sich zu viel Wasser gesammelt und die Gefahr um zu knicken zu groß.

Ich wählte den matschigen Pfad. Mittlerweile hatte sich der Matsch mit der Kuhsch… .in einen schönen Brei vermischt und da ich hier nur noch schnell durch wollte spritzte es bis zu den Haaren. Zu Beginn etwas angewidert, musste ich irgendwann lachen und fühlte mich wie ein kleines Kind. Je höher es spritzte umso besser. Juhu…

Leider hatte das ein Ende und es folgten noch einige Kilometer Asphalt bis zum Ziel. Glücklich und ein wenig müde habe ich das Ziel erreicht. Dort warteten schon die schnellen Jungs umgezogen und mit dem Siegerbier in der Hand. Die Verpflegung im Ziel war sehr gut und umfangreich.

Jasmin und Bernhardt kamen glücklich und zufrieden mit tollen Zeiten ins Ziel und feierten ihren ersten offiziellen Ultra!!! Glückwunsch!!!!! Das mussten wir natürlich feiern. Anschließend ging es mit dem Shuttle Bus wieder nach Scharnitz zurück.

   

Die Veranstaltung ist top organisiert, die Strecke super gekennzeichnet, nette Menschen an den Verpflegungsposten, reibungsloser Rücktransport mit einem Bus voller müder aber glücklicher und gut gelaunten Menschen. Danke hierfür.

Bei diesem Lauf werde ich noch einmal starten. Das ist nicht oft der Fall.

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