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Pörsch finisht zeitgleich mit der drittplatzierten Frau des Jungfrau Marathon Megan Kimmel (USA) in Interlaken

Leute, was sind das für Emotionen. Ich sitze jetzt hier exakt eine Woche nach dem Marathon in der Schweiz und bekomme immer noch feuchte Augen und Gänsehaut bei der Erinnerung an den Lauf und dem Sichten der Bilder. Wir (Andrea und ich) haben es getan! Und wie wir es getan haben....

Der Jungfrau Marathon:
Technische Daten aus dem Netz. "Von Interlaken auf 566 m Höhe ging es mit einer Höhendifferenz von +1.829 m und –305 m zum Ziel "Kleine Scheidegg" auf 2.100 m Höhe. Nach einem flachen Abstecher zum fast 300 m tiefen grün-blauen Brienzersee folgte bei der uralten Holzbrücke von Wilderswil der erste ruppige Anstieg, Felswände prägten jetzt die Landschaft beim Jungfrau-Marathon.

Bei etwa halber Distanz passierten die Läufer das Marathon-Dorf Lauterbrunnen mit dem berühmtesten Wasserfall, dem Staubbach. Erst bei Kilometer 26 begann der ganz große Aufstieg des Jungfrau-Marathons: 26 Serpentinen bis Wengen. Doch noch weitere 1.000 Höhenmeter lagen von hier aus vor den Jungfrau-Marathon-Teilnehmern. Mettlenalp, Wengernalp, Baumgrenze, saftige Alpweiden, schroffe Felsen, Gletscher, die höchsten Eiswände der Alpen. Über den Marathon-Läufern thronte nun die Jungfrau, einer der berühmtesten Gipfel Europas. Und schließlich der Höhepunkt: die berüchtigte Moräne nach 40 Kilometern. Dann ging es noch einen Kilometer abwärts, um in Ehren anzukommen am Ziel des Jungfrau-Marathons 2014 auf der Kleinen Scheidegg."

Unsere Vorbereitung hierzu:
Wie das so im Winter ist: Man sucht interessante Läufe, diskutiert über die schönsten Stadtmarathons mit jubelndem Publikum, Sightseeing in Großstädten, interessanten Reisen mit ein paar Tagen Urlaub etc.. Wer kommt da schon auf so einen blöden Bergauflauf? Andrea! klar wer sonst. Sie hatte sich den Anmeldungsbeginn schon im letzten Jahr auf Termin gelegt, denn schnell muss man bei der Anmeldung schon sein, da der Lauf auf ca. 4.000 Läufer limitiert ist.

Wir hatten in diesem Frühjahr schon ein paar tolle Läufe erleben dürfen (z. B. Rotterdam) sodass wir ab Juni mit den eigentlichen Vorbereitungen beginnen konnten. Zahlreiche Bergläufe hatte Andrea für uns ausgesucht und die meisten hier am Mittelrhein. Wir sind auf dem Rheinhöhenweg bei St. Goar gelaufen, haben zahlreiche Traumschleifen, wie Elfenlay oder Fünfseenblick getrailt, waren auf dem Rheinsteig unterwegs oder sind mal eben durch das Mühltal bei Boppard die Straße hoch auf den Hunsrück gelaufen. Es waren wirklich wunderschöne Läufe und die Berganstiege wurden immer leichter für uns. Wolfgang Scholz hat uns dann noch zwei Freikarten für den Monschau Marathon (750 Höhenmeter) angeboten. Man biste verrückt? Einen Marathon als Vorbereitung für einen Marathon zu laufen? Dem hätte ich letztes Jahr uneingeschränkt zugestimmt, jedoch als Vorbereitung für die Jungfrau echt ideal. Unseren Sommerurlaub in Kärnten konnten wir auch für einige Bergläufe nutzen. Der abschließende 33 km Testlauf "Rund um die Burg Are" mit 1.000 HM sensibilisierte mich nochmals für das Kommende (kurz: Lief echt scheiße bei mir). Andrea war topfit und mir bei den Steigungen immer um einiges voraus - ist halt zäh und ehrgeizig dieses Weib!

Unser Lauf als solches:
Lauftag ist beim Jungfrau Marathon der Samstag. Wir reisten mit einem Wohnmobil schon einige Tage vorher an. Leider zeigt sich die Jungfrau am Donnerstag und Freitag doch ziemlich wolkenverhangen, teilweise regnete es sogar. Die Wettervorhersage für Samstag war eher durchwachsen. Freitags sind wir dann mal mit der Bahn auf die kleine Scheidegg hoch und haben uns den Zielbereich angesehen. Wenn Du da mit der Zahnradbahn hochfährst und immer wieder Hinweisschilder des Jungfrau Marathons unterwegs ausmachst, glaubst Du nicht wirklich, dass du am nächsten Tag hier hochkommst geschweige denn hochwillst. Ich war da oben ziemlich kleinlaut und auch Andrea bekam so langsam Fracksausen. Mann oh Mann, was machen wir eigentlich hier. Und die anderen auf dem Berg, die sich das Ziel ansahen, sahen natürlich wesentlich trainierter aus als man selbst. Heilige Jungfrau steh mir bei....
Nach der Abholung der Startunterlagen gab es dann am Abend die große Wettkampfstrategie-besprechung in unserem Wohnmobil. Wie geht man so einen Lauf jetzt richtig an? Wie starten wir? Antje Ueberholz und Helga Miketta (Vorjahressiegerin hier in der AK W 70 in 5:15 h!) hatten uns hier einige wertvolle Tipps gegeben. Die ersten 25 KM ist der Lauf relativ eben, danach erst kommen auf den nächsten 16 km die o. g. Höhenmeter, bevor der letzte Kilometer angenehm bergab geht. Wir hatten uns natürlich einige Ergebnisse im Netz von Bekannten angesehen, die hier schon gestartet waren. So kamen wir auf eine errechnete Zielzeit von ca. 5 1/2 bis 6 Stunden. Ich nahm mir vor mit 5:50/km zu starten, die Bergpassagen mit ca. 12 min/km durchzustehen, dann dürfte ich so lala durchkommen. Andrea schüttelte zustimmend mit dem Kopf.

Wenn am Marathontag der Himmel aufreißt, Dir die Sonne ins Gesicht lacht und der Toilettengang erfolgreich ablief, hast Du die erste Hürde schon genommen. Beim Start um 09.00 Uhr war es noch recht frisch in Interlaken. Der Blick auf die Jungfrau war klar - Alphörner und die Nationalhymne ertönten, Böllerschüsse fielen, Fahnenschwenker, Kuhglocken - Startschuss - Gänsehautstimmung.

Erst einmal läuft man beim Jungfrau-Marathon eine Ehrenrunde durch die Stadt. Tolles Publikum. Einige Blaskapellen am Rande, Trachtengruppen mit tönenden großen und kleineren Kuhglocken machen einen imposanten Lärm. Andrea hat schon nach 5 Minuten unsere Strategie über den Haufen geschmissen und fängt mal locker mit 5:30/km an. Tja entspricht ja eigentlich auch Antjes Ansage an uns, also hinterher. Will ich doch mein Weib nicht so weit von mir wegziehen lassen. Wir genießen die Landschaft und halten unseren Schnitt (mit Ausnahme eines 3-4 minütigen Staus – kompletter Stillstand- den keiner so recht auf pott ebener Fläche glauben kann) bis Lauterbrunnen bei. Hinter Lauterbrunnen kommt die Wand! Und wie! Plötzlich geht gar nichts mehr, du kannst nur noch gehen - alle gehen - Andrea kommt besser voran als ich. Die Steigung ist enorm. Die Muskulatur macht sich erstmals bemerkbar, selbst das Atmen ist schwer. Ich hab keinen Bock mehr! Der geplante Schnitt von 12 Minuten steigt mal eben auf locker 15 bis 18 Minuten/km. Erst nach ca. 3-4 km kann man mal wieder ein Stück laufen. Danach läuft es besser, Gehen und Laufen im Wechsel bis zum Ort Wengen. Endlich Publikum. Das kleine autofreie Dorf feiert die Marathonis gebührend. Ich sehe Andrea vor mir - wir winken uns zu - mehr geht jetzt nicht. Weiter geht es bergauf nach Wixi mit wunderschönen Aussichten ins Tal hinab und hoch zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Berge erheben sich aus dem Grün mit dem weißesten Schnee bedeckt. Ich bleibe stehen muss Fotos machen, es ist einfach traumhaft schön - Lieber Gott haste jut jemacht.

Mir geht es gut, ich kann jetzt die Steigungen gut nehmen, überhole viele Läufer, die nur noch gehen und teilweise krampfen. Die Verpflegung unterwegs ist hervorragend, die Masseure an der Strecke ausgebucht. Und dann, man weiß es ja vorher, dass es kommt. Die Moräne!  Das ist ein schwarzer schmaler Dreckweg, der den Fuß des Eigergletschers bildet. Von weitem siehst du hunderte, tausende kleiner Pünktchen vor dir, die sich im Gänsemarsch den Berg raufmachen. Läufer an Läufer. Man hat das Gefühl ewig lange zu gehen und in der Tat steigt mein Schnitt auf 25 min/km (in Worten fünfundzwanzig). Ich könnte jetzt etwas schneller, aber komme nicht vorbei - Überholen ist unmöglich - du kommst aus dem Pfad nicht raus, wenn, machst du einen Abflug. Teilweise stehen wir sogar und warten bis sich der Stau auflöst. Die Streckenlänge wird nun in 250 m Abständen bescheinigt! Mitten in dem Berg einige Verpflegungsstationen  (klar) und zwei Alphorngruppen. Keine Ahnung, wie die Dinger dahinbekommen haben. Die muss es zum aufblasen geben, anders kann ich mir das nicht erklären. Leider machte der legendäre Dudelsackspieler gerade Pause, als ich ihn bei KM 41 sah.

Danach Bergablauf - wie geil ist das denn. Ich schau auf die Uhr - Schaffe ich es noch unter 5 Stunden 30? Ich geb alles, so schnell bin ich noch nie einen Berg runter gerollt. Arme hoch, Dauergrinsen auflegen, schließlich sind Fotografen am Werk und: knapp drüber. Egal, Andrea wartet schon im Ziel, sie war ein paar Minuten zuvor reingekommen. Wir sind happy.

Fazit:
Dieser Marathon war das geilste was ich läuferisch bis heute erleben durfte. Das wird schwer zu toppen. Andrea und ich waren sehr gut vorbereitet, wir hatten uns den Lauf noch schwerer vorgestellt. Schaut euch mal auf YouTube Videos zu diesem Lauf an. Der ist echt einzigartig und wurde nicht umsonst mehrfach zum schönsten Marathon der Welt gekürt.

Ach ja - zur Überschrift:
Als wir mit der Bahn wieder zurückfuhren, saß die drittplazierte Frau - Megan Kimmel (USA) - neben mir (Gewinner erkennt man an den Blumensträußen). Stolz berichtete ich ihr, dass ich in 5:30 drin war. Sie war zwei Stündchen früher im Ziel. Na gut, aber ich bin ja auch weiter hinten gestartet, hatte viel Verkehr unterwegs, Fotos gemacht usw. und letztlich hat es ihr ja auch nichts gebracht, waren wir doch jetzt zeitgleich wieder mit der Bahn in Interlaken angekommen.

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