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Zum 4. Mal seit 2005 nehme ich heute den Mittelrhein-Halb-Marathon in Angriff.

Die Startzeit für den HM wurde auf 9.30 Uhr festgelegt, sodaß wir Halbmarathonis von Meddys LWT Koblenz anstatt um 6 Uhr morgens erst um 7.30 Uhr für den Sonderzug nach Boppard eintrafen.

Meinen Kleidersack habe ich gewissenhaft bereits am Tag vorher gepackt, damit ich keine wichtigen Sachen vergesse. Da gibt es viele Möglichkeiten, was man zu Hause liegen lassen kann z.B. Sonnenbrille, Pflaster zum Abkleben, Energiegels, Laufkappe, trockene Wäsche für nach dem Lauf, Kleingeld, Ersatzlaufshirt etc.etc. Ich geb ja zu, der Regenknirps wär nicht unbedingt notwendig gewesen.

Sommer hin, Sommer her, sich morgens um 7.30 Uhr im ärmellosten Singlet ohne weitere Klamotten in das Abenteuer Marathon zu begeben, würde ich mich nicht trauen. Ob Marcus und Michael das noch mal machen?

Dann kurz vor 8 Uhr gehts auf den Bahnsteig, Sonja hat mal wieder eine gute Nase, und wir erhalten die besten Sitzplätze in den letzten 4 Jahren in einem Eisenbahnwaggon. Riesengedränge gibts dann wie immer nach dem Aussteigen am Bahnhof in Boppard. Ich weiß ja nicht, wo die Bahn ihr Aufsichtspersonal rekrutiert, aber da stehen schon komische Gestalten auf dem Bahnsteig, die aufpassen sollen, dass nur keiner eine Abkürzung über die Bahngleise nimmt.

Gute Tradition am Tag des MRM ist für alle Halbmarathonis schon jahrelang der vorherige Besuch der Damen- und Herrentoilette am Ausgang des Bopparder Bahnhofes. Hier treffe ich regelmäßig viele alte Bekannte. Mutige Frauen trauen sich auch manchmal aus ihrer Schlange vor dem Klo auszubrechen, und schnell einen freiwerdenden Herrenklo in Besitz zu nehmen.“ Ich wär ja auch gerne, aber an den pinkelnden Männern vorbei, trau ich mich nicht“ (Originalton einer bisschen ängstlicheren Läuferin).

Dann geht’s in Richtung Start. Vor einem Hoteleingang sehe ich plötzlich eine ganze Menge blauer Meddy Vereinstrikots. Die einen warten, die anderen ziehen sich bereits um.
Das Hotelrestaurant wird auch noch mal schnell als Toilette in Anspruch genommen. Dann geht’s los, startbereit machen. Bevor ich meinen Kleidersack abgebe, mache ich noch paar Fotos, und dann kommt auch die Kamera in den Sack. Beim Laufen stört sie mich zu sehr.

Alle Starter von Meddys LWT sind vollzählig, im Bereich des Starts herrscht reger Betrieb, Teilbereiche der Strasse sind gesperrt für die schon aus Oberwesel ankommenden schnelleren Marathonläufer. Alle die jetzt schon hier auftauchen sind weniger als 90 Minuten unterwegs, dass bedeutet ggf. eine Endzeit unter 3 Stunden. Kann man sich kaum vorstellen, wenn man sie vorbeilaufen sieht.

Schließlich sind es nur noch Minuten bis zum Start. Den Startschuss überhören wir fast.
Die altbewährten Laufgemeinschaften haben sich wieder gebildet, wie in Bonn. Sonja läuft mit Manuela. Ich habe mich wieder mit Andrea verabredet. Da sie sich wegen Ihrer Grippe in den letzten vierzehn Tagen noch nicht ganz fit fühlt, verabreden wir locker in 5.40 Schnitt anzulaufen.

Wir laufen die langgezogene Kurve am Bopparder Hamm entlang, immer die Weinberge links von uns. Es ist für meine Begriffe wesentlich angenehmer zu laufen, als im letzten Jahr. Die Sonne ist sich anscheinend noch nicht ganz sicher, ob sie uns diesmal wieder so braten will, wie in den letzten drei Jahren.

Wir laufen nicht auf der Strasse, sondern auf dem Fahrradweg. Vereinzelt stehen Radfahrer am Weg, und warten, dass die Läufer endlich vorbei sind. Blöde Zeit zum Radfahren in der Bopparder Hamm! Heute ist Running Time! Na, gut, auch die Walker sind unterwegs (auch Ralfs „ Stöckchens Geher“).

Viel Stimmung ist ja nicht, keine Spur von irgendwelchen „Stimmungsnestern“ , vereinzelt sitzen paar Organisationskräfte in roten Trikots auf Klappstühlen unter einem Sonnenschirm, und rufen uns aufmunternde Worte zu.

Schließlich geht’s hinter dem Camping-Platz links ab Richtung Spay. Langsam wird es doch wärmer. Dankbar spüren wir die Kühle unter dem Schatten der Baumreihe am Anfang von Spay.

Die Spayer bemühen sich bereits seit Jahren die Läufer nach allen Regeln der Kunst abzukühlen. Entweder stehen sie mit einem Gartenschlauch am Straßenrand, oder haben mitten auf der Strasse eine Dusche aufgebaut, unter der man durchlaufen kann.

Nachdem ich leichtsinnigerweise bei meinem ersten Lauf von einem Gartenschlauch erwischt wurde, was Laufschuhe und meine ganze rechte Seite durchnässte, mache ich einen großen Bogen um solche Scherze, die natürlich gut gemeint sind.

Ich tauche lieber an den Getränkestationen meine Kappe ins Schwämmebecken, und setze mir diese noch wassertriefend wieder auf. Es wird langsam wieder heiß. Vor zwei Tagen hat es um diese Zeit noch in Strömen geregnet. Nun heißt es wieder schwitzen!

Ich trinke an den Getränkestationen bald weniger, als ich mir über den Kopf schütte. In Rhens am alten Rathaus ist wirklich eine super Stimmung. Die Strasse ist doch hier sehr eng, in mehreren Reihen stehen Menschen am Strassenrand und begrüßen die durch das Rhenser Stadttor kommenden Läufer mit lauten Anfeuerungsrufen. Meine Augen gleiten nach links und rechts, um vielleicht bekannte Gesichter zu entwickeln. Leider Fehlanzeige!

Aus Rhens raus führt der Weg leicht ansteigende einige hundert Meter zur B9 hoch. Nach dem Bahnübergang an der Kripp klatsche ich zwei alte Lauffreunde (Christa und Sabine) ab mit denen ich schon öfters in den letzten Jahren diese Strecke zusammen zum Deutschen Eck lief.

Das schwerste Stück der ganzen Strecke ist für mich immer der lange Bereich zwischen Stolzenfels bis auf die Höhe Sportplatz Oberwerth. Die Sonne brennt uns weiter ganz ordentlich auf den Pelz. Kein Schatten weit und breit. Aber wir müssen da durch. Da höre ich von hinten Kommandos. Es sind Anweisungen von einem mitlaufenden Trainer schnellerer Marathonis, die uns gleich überholen werden.

Endlich biegen wir in die Mainzer Str. ein Richtung Stadtzentrum. In wenigen Minuten laufe ich vor meiner Haustür vorbei. Die letzten 1 ½ Stunden spulten Andrea und ich wie ein Uhrwerk die Kilometer. Die letzten 4 km schaffen wir auch noch. Kurz vor der Bahnunterführung gibt mir überraschend Andrea zu verstehen, dass sie ein bisschen langsamer laufen müsse. Ich solle alleine weiter laufen. Vermutlich ist sie noch nicht ganz wieder fit, nach gerade überstandener Erkältung.

Genau wie im letzten Jahr muss ich die letzten Kilometer durch die lange Mainzer Str. bis zum Schloss alleine laufen. Letztes Jahr habe ich mich fast verausgabt, und war am Schloss fast k.o. Heute laufe ich ziemlich kontrolliert, ich mach mich nicht verrückt, gucke auch nicht alle paar Sekunden auf die Uhr. Am Schloss entdecke ich Meddy vor mir, dies motiviert nochmals zu beschleunigen. Am Gericht vorbei, dann rechts die Strasse runter, bis ca. 200 mtr. vor dem Ziel kann ich das schnellere Tempo noch halten. Die letzten Meter kämpfe ich mich dann schließlich ins Ziel, und lasse mir die ersehnte Medaille umhängen.

Ich dreh mich um, wo bleibt Andrea? Sie ist nur ca. 20 Sekunden hinter mir. Haben wir doch wieder gut hingekriegt! Dann erfüllt uns nur ein Gedanke. Wie kommen wir schnell zu einem Erdinger Alkolholfrei? 

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