Alle reden von Läufen in den Alpen, denen, die sie gemacht haben, denen die sie vorhaben. Viele fahren weit um ihre Herausvorderungen zu bestehen, manche sogar ins Ausland. Die wenigsten denken aber daran, dass die ganz persönliche Herausvorderung eigentlich fast zu Hause vor der Haustür liegen kann. Na ja, nicht direkt vor der Haustür aber wenige Autostunden nur entfernt.

Letztes Jahr bekamen wir einen Flyer vom Alb Marathon in Schwäbisch Gmünd in die Hände. Birgit war sofort begeistert. "Dort kann ich endlich mal 30 Kilometer in einem Wettkampf walken. Da will ich hin" ja, ja war damals meine Antwort. Ich dachte nur nächstes Jahr ist noch lange bis hin. Soll sie doch machen. Erst kommen noch all die anderen Aufgaben für mich, all die anderen vielen Wettkämpfe. Monate später, ich hatte überhaupt nicht mehr daran gedacht sagte sie dann nur, dass sie uns angemeldet hat. 30 Kilometer werden wohl nicht so schwer werden war meine Antwort. Nix 30 du hast 50 gebucht und ich nur 25 Kilometer. Das ist dann schon Powerwalking! Triumpfe zogen sich damals durch ihr Gesicht. Sie ist bei den Powerwalker gemeldet. Und ich nur einer unter Hunderten Läufern. Aber egal das ist ja noch lange bis hin dachte ich. Erst kommen noch Mittelrhein, Hunsrück und München und was weis ich noch für Läufe.

Zwei Wochen nach dem München Marathon bin ich auf die Webside vom Veranstalter gegangen. Mir schwante was mir blühte. Am Freitag sind wir dann Richtung Schwäbisch Gmünd los. Auf dem Weg dorthin bekam ich dann noch vorgelesen auf was der Veranstalter alles hinweist und vor allem warnt. Keine Selbstüberschätzung, hochselektiver Lauf, absolut auf eigene Gefähr. Hallo? laufe ich dort etwa in einem Krisengebiet? Wird man erschossen wenn man die Zeitfenster nicht erreicht? Hat man vor kurzen in dem Gebiet den Yeti oder andere wilden Tiere gesichtet?.

Am Tag der Wahrheit waren es kurz vor dem Start Minus zwei Grad aber kaiserwetter. Der Ultramarathon geht auch über die drei Kaiserberge. Wie passend das doch ist. Kurz vor dem Start sind wir aus dem Hotel direkt zur Startlinie gegangen. Sozusagen noch mit der Bettdecke als Umhang. Die ersten 13 Kilometer sollen flach und gemütlich sein habe ich gehört. Auch wieder gelogen. Von Flach war keine Rede und gemütlich waren die 5:30 je Kilometer auch nicht. Nach dem ersten Anstieg habe ich mich getraut zu fragen ob das der erste der drei Berge gewesen sei. Ich erntete nur müdes Lächeln. Dann der erste Berg, vergesst alles was wir im Stadtwald haben. Es gibt im Umkreis von vielen Kilometer keine so starke Steigung die auch noch so lange ist wie diese. Und das war nur der Auftakt. Berg nummer zwei war noch brutaler. Steigungen von bis zu 22% über mehrere Kilometer und danach direkt ebensolche Gefälle rauben einem alle Kraft. Auf der Höhe des zweiten Berges war dann auch für die 25 Kilometer Läufer und die Powerwalker Schluß. Zwei Drittel der Höhenmeter waren geschaft. Das kann jetzt nur noch besser werden dachte ich. Der Abstieg von Berg Nummer zwei war so steil, dass an Laufen garnicht zu denken war. Ab Kilometer 29 kam dann noch mal eine Steigung ähnlicher Güte mit der weiteren Schwierigkeit, dass diese total verschlammt war. Ein Schritt vorwärts aber zwei zurück. Oben endlich angekommen kam es mir vor, als ob ich im freien Fall wäre. Wenn man vom Rittersturz in direkter Linie runter zum Stadion laufen würde, käme das diesem Gefälle gleich. Jetzt sind es nur noch 18 Kilometer. Es ging rauf und runter, ständig, gerade schon gemütliche Anhöhen wurden erklommen. Fast schon ein Kinderspiel. Dann wieder runter von der Alb. Es wurde merklich wärmer. Wie hoch mag ich wohl da oben gewesen sein. Immerhin war meine Mütze Stundenlang gefroren. Jetzt ist sie nur noch nass. Die Marathonmarke wird passiert. Letzte Steigung sagt ein Mitläufer. Ha, denkste ich glaub hier keinem mehr auch nur etwas. Wahrscheinlich ist kurz vor dem Ziel noch mal ein Hügel oder so. Doch er hatte recht. Ab Kilmeter 43 absolut flache Strecke und ich kann endlich wieder meine Flachlandqualitäten ausspielen, laufe 5:10 und halte das bis ins Ziel.

Birgit ist natürlich schon da, hat aber nur wenige Sekunden Zeit für mich da sie zur Siegerehrung muß, zweite Gesamt.

Wenn man auf dieser Strecke gut sein will, so sollte man nicht länger als dreieinhalb Stunden benötigen.

Eine ungeplante Herausvorderung kann manchmal doch schön sein.

You have no rights to post comments

   
© 2009-2017 Meddy´s LWT Koblenz e.V.