20.04.08 4.30 morgens werde ich wach, soll ich mich noch mal umdrehen? Zu gefährlich!
Da ich niemals einen Wecker benutze! 6.15 ist Treffpunkt am Bahnhof für alle Meddys LWT ler . In aller Ruhe duschen und frühstücken. Nochmals alles kontrollieren!
Schuhe kann ich nicht vergessen! Würde ich wohl merken! Aber der Chip und die Startbestätigung? Um kurz vor 6 Uhr verlasse ich mit ipod das Haus, um mir unterwegs zum Bahnhof Udo Lindenbergs „ Der Greis ist heiß“ anzuhören. Der Text kommt auch für mich noch paar Jahre zu früh, aber zur Motivation ist er nicht schlecht. Grins.

Der Bahnhof steht noch im Halbdunkel. In der Bahnhofsgaststätte steht Meddy bereits mit einer Tasse Kaffee vor sich. Fühlt sich nicht gut. Hat Rückenschmerzen. Aber aufgeben gilt bei ihr nicht. Innerhalb weniger Minuten sind alle Meddys-LWTler eingetroffen, die mit dem Zug nach Bonn fahren wollen, um dort am Halbmarathon teilzunehmen:

Antje, Andrea, Manuela mit Freund, Niko und Birgit, Diana und Steffi – und Meddy und meineWenigkeit.

( bis auf Nico – will unbedingt den Marathon heute unter 4 Std. laufen!)

Um ca. 7.30 Uhr sind wir am Bahnhof in Bonn angekommen. Von da aus sind es nur wenige Minuten bis zum Zelt auf dem Münsterplatz, wo ich meine Startunterlagen noch abholen muß..Da die anderen diese schon haben, bin ich vorausgeeilt. Das Zelt ist voll, auch an den „Schaltern“ herrscht dichtes Gedränge. Aber es geht doch. Gott sei Dank. Trotzdem schaue ich auf die Uhr. Nur noch ne halbe Stunde bis zum Start. Noch umziehen, dann die Kleiderabgabe suchen. Vor lauter Leuten übersiehst Du alle Hinweisschilder. Schließlich sehe ich paar rote Haare und unser blaues Vereinsshirt. Andrea ist augenscheinlich genauso froh, wie ich, in diesem Gewühle überhaupt jemand unserer Truppe wieder zu finden. Ich muß noch meinen Sack abgeben, wartest Du hier? Klar. Nachdem ich mich durch zwei Zelte durchgedrängt habe, bin ich meine Sachen endlich los. Dann wieder zu Andrea zurück. Viel Zeit zum Warmlaufen haben wir nicht mehr. Dann die Suche nach einer Toilette. Vor den Dixieklos noch riesige Schlangen. Komm wir laufen die Strasse runter, irgendeine Kneipe hat sicherlich noch auf. Nach erfolgreicher Suche bleiben uns dann nur noch wenige Minuten Zeit zum Aufwärmen. Ab in den Startbereich. Wir haben beide die gleiche Startgruppe.
Aber bis wir die gefunden haben. Ziemlich weit hinten reihen wir uns dann ein. In der Startgruppe vorher hatten wir bereits schon Günter, Rüdiger und Petra entdeckt.
Leider können wir Manuela und Meddy nicht entdecken, da hätten wir gemeinsam eine kleine Laufgruppe bilden können.

Kaum haben wir unseren Platz im Gedränge gefunden läuft auch bereits der Countdown, und der Läuferlindwurm setzt sich wieder in Bewegung.

Der erste Kilometer führt über die Kennedy-Brücke rüber nach Bonn-Beul, wo wir dann den ganzen Stadteil durchlaufen bis zum Freizeitpark Rheinaue an der Konrad Adenauer Brücke.
Dort ist bei Kilometer 4 der Wendepunkt, und wir laufen auf einer Parallelstrasse wieder zurück, um die Brücke wieder kurz nach der 7 km Marke wieder in Richtung Zentrum zu überqueren.

Andrea und ich sprechen uns ab einen 5:40er Schnitt zu laufen, um dann später je nach Verfassung noch zu versuchen, „eine Schippe draufzulegen“. Wir fühlen uns beide richtig gut drauf. Auch das Klima gefällt uns zum Laufen gut. Nicht zu kühl und vor allem nicht zu warm.
Um uns nicht zu verlieren sprechen wir uns auch bei der Getränkeaufnahme ab. Einmal habe ich nicht aufgepasst, und schon war Andrea 30 mtr vor mir. Dies wollen wir ab jetzt vermeiden, um nicht unnötige Kraft für Einholmanöver zu vergeuden.

Nach der Brücke führt die Strecke nach rechts in einer 90 Grad Wendung zwischen km 9 und 10 unter der Brücke den Rhein hoch in Richtung Südstadt. Wir laufen vorbei an der Villa Hammerschmidt (früherer Sitz des deutschen Bundespräsidenten), am sog. Wasserwerk ( dem alten Parlamentssaal des Bundestages), dem „ Langen Eugen“ ( ehem. Wohnhaus der Bundestagsabgeordneten).

Bei km 13 erreichen wir den Bereich des großen Freizeitparkes „ Rheinaue“ . Wir biegen nach links ab in die breite Petra Kelly-Allee, unter der Konrad Adeauer Brücke hindurch, dann ist die Allee auf einmal nach dem alten Bundespräsident Heuss benannt. In einem Kilometer bei km 15 erreichen wir den Wendepunkt. Vorher sehen wir uns entgegenkommend auf der anderen Seite die uns Vorauslaufenden. Rüdiger konnte ich irgendwo erkennen, auch Manuela, einige Meter vor Meddy laufend.

Bis zum Wendepunkt geht es leicht bergan, jetzt wieder runter zurück Richtung Zentrum. Aber es sind noch mehr als 6 km zu laufen.

Ich schau gar nicht mehr auf die Uhr, verlass mich ganz auf Andrea. Bei km 17 wird sie mir langsam zu schnell. Nun dann. Die Zeit der Trennung naht. Ich kann ihr Tempo nicht mehr mitgehn. Ich will es auch gar nicht. Muss jetzt meinen eigenen Rhythmus bis ins Ziel finden.

Bei km 17 biegen wir nach links auf die Franz-Josef Strauss allee ein, nach paar hundert Metern laufen wir über die Willy Brandt – Allee bis zum km-Stand 40. Irgendwann unterwegs überhole ich Rüdiger und Meddy. Ein kurzer Gruss und weiter geht’s. Ich will das jetzige Tempo unverändert beibehalten, obwohl ich mich wirklich quälen muss. Manchmal habe ich das Gefühl, unendlich langsam zu laufen. Wo ist denn endlich das Ziel?
Da wir erreichen wir den Münsterplatz. Hier schwappt die Stimmung wirklich über. Die letzten paar Meter bis zum Marktplatz. Endlich die letzten Meter. Dann endlich geschafft.
Ich drück die Uhr bei 1:55:56. Von wegen 5:40er Schnitt. Das war ja bei mir schon 5:30 er Schnitt. Wie schnell ist dann Andrea gelaufen? Denke ich ganz entgeistert.

Ich hab Mühe mich im Ziel auf den Beinen zu halten. Silke ist zufällig kurz vor mir ins Ziel gekommen. Mir ist kurzzeitig schwindlig nach dem abrupten Abstoppen, ich muss mich einen Moment an ihr festhalten. Da direkt hinter dem Ziel sich eine Riesenschlange gebildet hat, um die Medaillen in Empfang zu nehmen, war für leichtes Auslaufen keine Möglichkeit. Im Ziel halte ich Ausschau nach Andrea, die kann doch soweit vor mir nicht ins Ziel gekommen sein. Keine Chance bei dieser Anzahl von Menschen im Zielbereich!

Nach Empfangnehmen der Medaille irre ich noch ein bisschen umher. Um nicht zu sehr abzukühlen, entscheide ich mich schnell den Kleiderbeutel zu holen, um aus den nassen Klamotten herauszukommen. Dies geht auch relativ schnell, weil alles dicht zusammenliegt. Aber ich muss erstmal fragen, weil irgendwie in dem Gewühle jede Strassenecke ähnlich aussieht. Dann trinke ich auf dem Platz der Zielverpflegung in Ruhe ein Erdinger, und schaue mich dort um. Unseren Laufkamerad Günter treffe ich dort, noch im dünnen Singlet und kurzer Hose. Er hat seinen Kleidersack nicht abgegeben, und findet seine Leute nicht wieder.
Ich geb immer meinen Kleidersack ab, das ist das geringste Risiko! Erfahrungssache!

Wo kann ich denn die anderen wieder finden? Schließlich weist mir mein Magen den richtigen Weg. Wo gibt’s was zu essen? Im Zelt am Münsterplatz! Kaum habe ich mir die vorzügliche Pasta mit sehr wohlschmeckender Tomatensoße reingezogen, kommen auch schon Antje, Manuela und Steffi, und auch noch Martina an. Kurz danach klingelt mein Handy. Sonja: Wo seid Ihr? Auf der anderen Seite des Münsterplatzes. Kurz danach sind wir fast vollständig vor dem alten Beethoven (Denkmal) wieder versammelt.

Nachdem wir feststellen, dass fast alle Anwesenden persönliche Bestzeiten gelaufen sind, beginnt die große Feier. Sonja, die einzige ohne Bestzeit, weil Sie blöderweise bei dem Lauf in Vettelschoß teilnahm, und dort noch schneller gelaufen ist, muss dafür die anderen mit Kölsch versorgen ( ein bisschen dichterische Freiheit solltet Ihr mir zugestehen!), was sie ausgesprochen ehrgeizig auch sofort in die Hand nahm.

Danach hätten wir ja zufrieden und glücklich in unseren Zug einsteigen können, aber jetzt geht es erst richtig los. Von unserer Feier angelockt werden wir vom lokalen Fernsehsender live zum Interview „genötigt“, was mir für einige Sekunden die Sprache verschlägt. Gott sei Dank bin ich nicht alleine, sodaß das Fernsehen nach paar Sätzen genug gehört hat.

Nach abschließendem Anfeuern der Marathonis wollten wir den letzten Auftritt von Niko nicht versäumen, um ihm moralische Unterstützung mit auf die letzten Meter zu geben.

Dann ab in den Zug und nach Hause. Es war ein schöner, sonnenreicher und für fast alle Beteiligten erfolgreicher Ausflug zum Bonn-Marathon.

Resümee: Bonn ist eine Reise wert. Der Lauf ist gut organisiert. Es sind keine langen Wege zu gehen.Für nicht Ortskundige kann manchmal die Orientierung ein bisschen schwierig sein.
Früh genug anreisen, damit man keine Schwierigkeit bekommt, rechtzeitig seinen Startplatz zu finden.

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